Pinochet: Geschichte eines Diktators

| 3. April 2012 | 0 Kommentare

Flagge der Welt Der Zeitraum von 1998 bis 2000 war der Tiefpunkt im Leben Augusto Pinochets: Jene Jahre verbrachte der ehemalige chilenische Staatschef in einem britischen Gefängnis. Grund hierfür war der Vorwurf, dass Pinochet an Verbrechen gegen die Menschlichkeit beteiligt gewesen sei. Pinochet steht beispielhaft für eine größtenteils vergangene Ära, in der Lateinamerika von Militärdiktaturen geprägt war.

Der Militärputsch: Pinochet ergreift die Macht

Der 11. September wird seit 2001 mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York verbunden. Darüber wird vergessen, dass das auch ein wichtiger Tag in der Geschichte Chiles war. An diesem Datum im Jahr 1973 führte der damalige hochrangige General Pinochet einen Militärputsch gegen den demokratischen gewählten Präsidenten Salvador Allende an. Unter seinem Kommando bombardierten Kampfflieger den Präsidentenpalast, Allende nahm sich aufgrund der aussichtslosen Lage das Leben. Statt einer vom Volk legitimierten Regierung bestimmte fortan eine sich selbst eingesetzte Militärjunta das Land. Das Ausland nahm diesen Putsch zwiespältig auf. Insbesondere die US-Regierung unterstützte den Machtwechsel. Vorgänger Allende war nämlich Sozialist gewesen und hatte auf die Verstaatlichung von einigen Wirtschaftszweigen gedrängt. In Zeiten des Kalten Krieges und eines weitverbreiteten Antikommunismus rief das Abwehrreflexe in der westlichen Welt hervor. Die antidemokratische Einstellung sowie die zahlreichen Gräueltaten Pinochets und seiner Getreuen wurden in Kauf genommen. Allein in den letzten Monaten des Jahres 1973 wurden über 13 000 Oppositionelle verhaftet, verschleppt, gefoltert und ermordet. Zu dieser Zeit flüchteten knapp eine Million Menschen aus dem Land.

Pinochet: vom kompromisslosen Machthaber zum gejagten Verbrecher

Ende 1974 wurde Pinochet von der Militärregierung offiziell zum Präsidenten ernannt. Das demokratische System war abgeschafft, Freiheitsrechte waren massiv eingeschränkt. Liberal war der Staatschef nur in der Wirtschaftspolitik. Dort verzeichnete er mit der Privatisierung von Staatsbetrieben und der Verringerung von Sozialausgaben Erfolge, das Wirtschaftswachstum war beträchtlich. Ein Meilenstein war dann das Jahr 1980. Unter internationalem Druck, bei dem der damalige US-Präsident Jimmy Carter eine große Rolle spielte, ließ Pinochet eine Verfassung ausarbeiten. Mit Zugeständnissen, wie der Einführung eines Zwei-Kammer-Parlaments, versuchte er zu beruhigen. Zugleich schrieb er aber seine starke Stellung als Präsident fest, erst 1988 sollten die Chilenen über eine weitere Amtszeit für ihn abstimmen. Das taten sie dann und entschieden sich mehrheitlich gegen Pinochet. Dieser nahm es hin, der Regimewechsel hin zur Demokratie verlief friedlich. Fortan war er Abgeordneter, erst zehn Jahre später begann die juristische Auseinandersetzung mit der Diktatur Pinochets. Sowohl national als auch international waren die Meinungen geteilt. Die einen verteidigten ihn, die anderen kritisierten ihn scharf. 1998 wurde Pinochet für Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft gezogen. Während eines Aufenthalts in Großbritannien verhaftete ihn die Polizei, weil ein spanischer Untersuchungsrichter wegen Verbrechen gegen spanische Staatsbürger einen Auslieferungsantrag gestellt hatte. Es folgte ein diplomatisches Tauziehen, die Auslieferung wurde aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands nicht vollzogen. 2000 kehrte Pinochet nach Chile zurück, wo ein gegen ihn initiierter Prozess aus dem gleichen Grund eingestellt wurde. 2001 starb der ehemalige Diktator.

Ein Diktator: zwischen Anerkennung und Kritik

Pinochet hat Tausende Menschenleben auf dem Gewissen, darüber hinaus hat er vielen Menschen die Freiheit geraubt. Erst kurz vor seinem Tod musste er juristische Konsequenzen befürchten, wegen seiner schlechten Gesundheit stand er aber nie vor Gericht. Aufgrund seiner antikommunistischen Haltung hatte er teilweise Unterstützung im westlichen Ausland, erst 1980 verspürte er zunehmenden Druck und setzte eine Verfassung in Kraft. Die darin festgeschriebene Volksabstimmung über eine weitere Amtszeit wurde ihm 1988 zum politischen Verhängnis, weil sich eine Mehrheit der Chilenen gegen ihn entschied.

Zum Bild: Felix Pergande – Fotolia

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Kategorie: Land & Kultur